FAIRSTÄRKEN

FAIR.STÄRKEN - Jugendtreff: Gemeinschaft, Austausch & Prävention

FAIR.STÄRKEN – Jugendtreff: Gemeinschaft, Austausch & Prävention

Dieser Blogeintrag entstand aus einem Interview mit Anne, unserer Koordinatorin für Soziales Lernen und Gewaltprävention, über den FAIR.STÄRKEN- Jugendtreff und den besonderen Termin im Programm „Meet a Jew“. Jeden Mittwochabend von 18 bis 20 Uhr treffen sich Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren in unserem offenen Jugendtreff. Hier stehen Begegnung, Austausch und gemeinsames Lernen im Vordergrund. Der Treff bietet einen sicheren Raum für Soziales Lernen, Prävention von Gewalt und Diskriminierung und spannende Erlebnisse.

Offene Jugendarbeit: Wie unsere Jugendgruppe entstand

Die Idee für unsere Jugendgruppe entstand aus den Anregungen der Jugendlichen selbst. Viele kannten bereits unsere Angebote für jüngere Altersgruppen, doch spätestens mit etwa 16 Jahren endeten diese. Der Wunsch nach einem eigenen Raum für ältere Jugendliche wuchs.

Jugendtreff mitten in Köln: Mehr als nur Freizeit

Unser Jugendtreff verbindet Struktur und Freiraum:

  • Gemeinsames Kochen und Abendessen
  • Pädagogisch begleitete Aktionen
  • Zeit für Gespräche, Spiele und Austausch

Einmal im Monat setzen wir zusätzlich ein besonderes Highlight, das über den normalen Treff hinausgeht. Ob Kletterpark, Bowling oder eine spannende Aktion, diese Erlebnisse stärken die Gemeinschaft.

Besonders wertvoll: Viele Jugendliche kommen einfach so vorbei, um die Gemeinschaft zu genießen.

Highlight im März „Meet a Jew“: Begegnung, Judentum und Antisemitismus

Ein besonderes Highlight im März war das Programm „Meet a Jew“. Drei junge jüdische besuchten unseren Treff und berichteten aus ihrer Perspektive über Judentum, Identität und Antisemitismus-Erfahrungen.

Zentrale Erkenntnis:
Jüdisch zu sein bedeutet nicht automatisch, religiös zu sein.
Es ist vor allem eine kulturelle und gesellschaftliche Zugehörigkeit, ähnlich wie bei anderen Gruppen von Menschen.

Im Gespräch wurde deutlich:

  • Begegnungen mit Menschen aus verschiedenen Religionen sind wichtig.
  • Vorurteile entstehen, wenn solche Begegnungen fehlen.
  • Im Judentum, wie bei allen Religionen, kann man einem Menschen seine Zugehörigkeit nicht unbedingt an äußeren Merkmalen ansehen.

Für die Jugendlichen war es ein echter Aha-Moment, die Vielfalt innerhalb einer Kultur zu verstehen und die eigenen Vorurteile zu hinterfragen.

Erfahrungen mit Diskriminierung: Realität im Alltag

Die Jugendlichen berichteten offen über eigene Erfahrungen mit antisemitischer Diskriminierung.

Ein Schlüsselmoment war das Thema Fotos: Die Gäste wollten nicht fotografiert werden, da sie Angst hatten, identifiziert zu werden und dadurch Nachteile oder Bedrohungen zu erfahren.

Dies machte deutlich:
Diskriminierung und Angst sind real und betreffen Menschen im Alltag.

So können Jugendliche aktiv gegen Rassismus und Antisemitismus vorgehen

Am Ende des Treffens wurde über Folgendes diskutiert: „Wie kann ich selbst aktiv werden gegen Diskriminierung und Rassismus?“

Gemeinsam mit den Gästen entwickelten die Jugendlichen konkrete Ideen:

  • Zivilcourage zeigen und den Mund aufmachen.
  • Betroffene unterstützen und Solidarität zeigen.
  • Diskriminierenden Aussagen widersprechen.
  • Im Ernstfall Hilfe holen oder die Polizei einschalten.

Auch Themen wie Sexismus und Alltagsdiskriminierung wurden angesprochen. Die Erkenntnis: Mut zu zeigen ist wichtig, aber Sicherheit steht immer an erster Stelle!

Offene Jugendarbeit stärkt Selbstvertrauen, Empathie und Verantwortung

Unsere offener FAIR.STÄRKEN – Jugendtreff schafft:

  • Räume für Begegnung und Vielfalt
  • Möglichkeiten für kritischen Dialog
  • Stärkung von Selbstvertrauen, Empathie und Verantwortung

Viele Jugendliche gehen mit dem Gefühl nach Hause:
„Ich kann etwas bewirken. Meine Stimme zählt.“

Dank an unser Team: Anne & Tom begleiten die Jugendgruppe

Ein besonderer Dank gilt Anne, Koordinatorin für Soziales Lernen und Gewaltprävention, die die Jugendgruppe leitet und begleitet und Tom, unserem Jugendgruppen-Trainer.

Vielen Dank auch an Anne für das offene und spannende Interview.

 


Weihnachtsgeschenke und große Momente

Weihnachtsgeschenke und große Momente – Der Teddy heißt Liebe

Manche Momente wirken lange nach – nicht, weil sie laut sind, sondern weil sie etwas in uns berühren.

Bis Anfang November hatten wir keine Nachrichten von Firmen, die sich um Weihnachtsgeschenke kümmern wollten. Ein leichter Hauch von Verzweiflung überkam uns. Denn: die Kinder freuen sich doch so sehr und hoffen auch dieses Jahr auf Geschenke…

Es meldeten sich dann – schon das wie ein Wunder! 😊 – plötzlich mehrere Firmen und wir konnten tatsächlich ALLE Kindergruppen in Wohnheime für Geflüchtete mit Geschenken berücksichtigen!

Das Ausfüllen der Wunschzettel ist jedes Jahr ein Erlebnis für sich

Manche Kinder wissen sofort, was sie sich wünschen könnten, andere überlegen beinahe eine Stunde lang und haben das Gefühl, eigentlich schon alles zu haben, was sie brauchen. Dahinter vermute ich eine große Bescheidenheit, denn sie leben in SEHR armen Verhältnissen.

Besonders beeindruckt hat mich Dawid. Er hat die Diagnose ADHS und nimmt Ritalin. Zu der Zeit, in der unsere Gruppe stattfindet, ist er im Rebound – seine Symptome verstärken sich, seine Energie scheint grenzenlos. Doch in dem Moment, in dem der Wunschzettel vor ihm liegt, wird er ganz still. Hochkonzentriert sorgt er sich, sich zu verschreiben und „alles zu vermasseln“. Schließlich schreibt er sorgfältig seinen Wunsch auf: einen Fußball. Danach malt er noch etwas dazu.

Wir zählen die Wochen, bis die Geschenke endlich übergeben werden. Für Selma, die es kaum erwarten kann, ihr Geschenk in den Händen zu halten, bin ich kurz davor, eine Strichliste für die Wartetage anzulegen.

Dann ist es soweit

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Es wird koordiniert, wann die Geschenke im Büro ankommen, wie sie rechtzeitig in die Unterkünfte gebracht werden und wie die Übergabe gestaltet wird. In den meisten Gruppen planen wir eine kleine Feier mit Dekoration, Naschereien und warmem Kakao. Für die Tagesplanung ist wichtig, dass die Kinder sich vorher noch austoben können. Der Geschenkemoment wird sooooo aufregend!

In der Mitte des Raumes liegt ein großer Berg wunderschön verpackter Geschenke, oft mit einer persönlichen Nachricht versehen. Man sieht, wie viel Mühe sich die Schenkenden gemacht haben – und dass es ihnen Freude bereitet hat. Die Kinder stürmen in den Raum, versammeln sich um den Tisch und suchen aufgeregt nach ihrem Geschenk. Freudige Rufe erfüllen den Raum. In größeren Gruppen dürfen alle Kinder gleichzeitig auspacken, in kleineren gibt es ein Ritual: Ein Kind bekommt sein Geschenk überreicht, wählt dann eines für das nächste Kind aus und gibt es weiter.

Beim Auspacken höre ich Sätze wie „Schich-lan“ oder „Ich habe Jackpot gemacht“. Amadou hüpft vor Freude auf der Stelle und hält seinen neuen Fotoapparat in die Luft. Die 13-jährige Ladan probiert ihre neue Jeans an und nickt zufrieden. Viele Kinder laufen stolz und glücklich zu ihren Eltern. Elham kommt in den Gruppenraum, trägt ihr neues Outfit – es passt perfekt, und sie strahlt über das ganze Gesicht. Sedat läuft mit seinen neuen Fußballhandschuhen rum und hält die Handschuhe an seine Ohren,reibt dabei die Finger aneinander und freut sich riesig an dem Geräusch, als sei das, das Qualitätsmerkmal schlechthin. Die anderen Kinder dürfen auch mal hören.

Nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung. Der 13-jährige Jeremy ist enttäuscht, weil er Fußballhandschuhe bekommen hat, statt einem Gutschein. Melissa erhält einen Basketball, obwohl sie sich einen Pyjama gewünscht hatte. Doch sie hat eine großartige Idee: Sie lässt den Ball von dem Trainer signieren, der an diesem Tag die letzte Stunde leitet. Plötzlich hat der Ball einen ganz besonderen Wert. Und wer weiß – vielleicht entdeckt Jeremy ja das Fußballspielen und wird ein leidenschaftlicher Torwart.

Anjam dagegen bekommt ihren sehnlichsten Wunsch erfüllt: einen Teddybären mit einem Herz und der Aufschrift „Ich hab dich lieb“. Vor Freude weiß sie gar nicht, wohin mit sich. Der Teddy wird gefüttert, spricht und spielt mit. Als ich sie frage, wie ihr Teddy heißt, sagt sie: „Der Teddy heißt Liebe.

Bei unserem Jahresabschlussfrühstück frage ich eine Kollegin, was sie bei der Geschenkeübergabe erlebt hat. Sie erzählt mir von Victor, der oft sehr wütend ist. Sie beschreibt, wie sich sein ganzes Wesen für einen Moment verändert, als er die Kopfhörer in den Händen hält, die er geschenkt bekommen hat. „Die kosten doch viel mehr als 15 Euro“, sagt er, lehnt sich zurück und schaut ganz beseelt – als wäre endlich mal für einen Augenblick alles in Ordnung.

Ende der Woche werde ich krank. Und dennoch ist klar: Bei der Geschenkeverteilung werde ich dabei sein. Vielleicht, weil ich weiß, dass diese Momente etwas in mir berühren. Die Freude der Kinder, ihr Lachen, ihr Staunen – sie öffnen mein Herz. Und irgendwo zwischen Geschenkpapier und glänzenden Augen wird mir wieder bewusst, dass es eine stille Freude gibt, die sich nicht einpacken lässt: die Freude, anderen eine Freude zu machen.

Ein großer Dank gilt all den Sponsor*innen und dem Team von Fair.Stärken, die mit viel Herzblut dafür gesorgt haben, dass so viele Kinder – die kein Weihnachten feiern und deren Familien oft nur über wenige finanzielle Mittel verfügen – dennoch eine Freude erleben durften.

Fotos: FAIR.STÄRKEN e.V.
Bericht: Natascha Fröhlich (Pädagogin aus dem Team von FAIR.STÄRKEN)


Interview: Alines Weg von Brasilien nach Deutschland

ALINE ERZÄHLT, WIE SIE NACH DEUTSCHLAND GEKOMMEN IST – EIN INTERVIEW

ALINE DE MAGALHAES ist Diplom-Sportwissenschaftlerin und Trainerin für Soziales Lernen und Gewaltprävention. Seit sieben Jahren arbeitet sie bei FAIR.STÄRKEN. Zeit für eine Zwischenbilanz:  

Liebe Aline, kannst Du uns erzählen, warum Dir die Arbeit bei FAIR.STÄRKEN wichtig ist?   

Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass Kinder und Jugendliche aus schwierigen Lebensverhältnissen dieselben Chancen bekommen wie Kinder, die schon früh viele Privilegien erleben. Ganz sicher spielt dabei meine eigene Geschichte eine wichtige Rolle. Ich habe früh gesehen, wie es Kindern geht, die unter schwierigen Bedingungen aufwachsen. Armut, Gewalt und Ungerechtigkeit können das ganze Leben prägen. Und deshalb will ich ein Teil der Veränderung sein, die Kindern eine bessere Zukunft ermöglicht.  

Magst Du uns ein wenig aus Deinem eigenen Leben erzählen?  

Ich lebe seit 2001 in Deutschland. Ursprünglich aufgewachsen bin ich in Brasilien, in einem Viertel am Rand von Sao Paulo. In den 80er-Jahren veränderte sich die Gegend sehr plötzlich sehr stark. Viele Familien drängten vom Land in die Stadt. Das Viertel wuchs in einem unglaublichen Tempo – total unkontrolliert. Dadurch nahm auch die Gewalt unglaublich schnell zu. Im Laufe der Jahre musste ich mitansehen, wie viele meiner Schulfreunde ihr Leben verloren – manche, weil sie in kriminelle Strukturen hineingerutscht sind, andere, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Wieder andere starben an Krankheiten, die mit ein bisschen sauberem Wasser oder einem Arztbesuch behandelbar gewesen wären.  

Welche Rolle spielte Deine eigene Familie dabei? 

Was unsere Familie von den Familien in den Favelas unterschied, waren im Grunde nur ein paar Meter und eine Kurve auf der Straße. Meine Eltern waren beide berufstätig und hatten angesehene Jobs. Unser Haus hatte Wände aus Zement, ein Dach, eine Küche. Wir hatten sauberes Wasser, wir hatten Schuhe und manchmal Geld für eine Schuluniform. Diese einfachen und oft selbstverständlichen Dinge waren ein minimaler, aber ein entscheidender Unterschied. Ich habe sehr früh gespürt, wie ungleich Kinder behandelt werden. Einfach, weil sie arm sind. Für mich war früh klar: Alle Kinder sollten die gleichen Chancen haben.  

Was willst Du mit Deiner Arbeit erreichen?  

Mein Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen eine echte Perspektive zu geben – besonders dann, wenn sie aus schwierigen Verhältnissen kommen. Ich möchte dazu beitragen, dass diese Kinder ihr Potenzial entdecken und eine selbstbestimmte Zukunft gestalten können. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, wie wichtig dabei Bildung, Unterstützung und Wertschätzung sind. Im Kern geht es dabei nicht nur um individuelle Entwicklung, sondern auch um mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit in unserer Gesellschaft. 

Ich wünsche mir, dass es mehr Möglichkeiten für Kinder gibt, dass sie der Armut, in die sie hineingeboren werden entkommen und dass sie sein können, was sie sein möchten. Ich kann zwar nicht ändern, dass es Ungleichheit in der Gesellschaft gibt, aber ich will, dass möglichst viele Kinder erleben und spüren können, dass sie selber stark genug sind, etwas zu verändern. Und damit können sie auch die Welt verändern.  

 


Vielen Dank, liebe Aline für Deine Arbeit und die Veränderung, die Du hier bewirkst! Toll, dass Du da bis! Und wer außerdem noch wissen will, wie Jugendliche aus Alines Gruppen die Arbeit erleben, kann das nachlesen in dem Interview mit Nazanin – hier im Blog.

Interview: Tatjana Mischke
Fotos: FAIR.STÄRKEN e.V.


Interview: Nazanins Geschichte

NAZANINS SPANNENDER WEG ZU FAIR.STÄRKEN

Wir stellen Euch heute Nazanin vor. Sie war schon als 13-jährige in einer Gruppe von Aline. Heute ist Nazanin 19 Jahre alt und überlegt, selbst Sozialarbeiterin zu werden. Daran war FAIR.STÄRKEN tatsächlich nicht ganz unschuldig. Hier lest Ihr, wie es dazu kam und was sie selbst dazu sagt. Die Arbeit von Aline lernt ihr außerdem noch genauer im nächsten Blogeintrag kennen.

Erzähl mal, liebe Nazanin, wie hast Du zu uns gefunden?

Meine Verbindung zu FAIR.STÄRKEN begann schon, als ich 13 Jahre alt war. Ich war damals ein sehr ruhiges und schüchternes Mädchen, das sich wenig traute. In den Gruppen bei FAIR.STÄRKEN habe ich aber schnell gespürt, dass ich hier einen besonderen Ort gefunden habe, einen Raum, in dem man sich sicher fühlt, in dem man so sein darf, wie man ist, und in dem man immer Unterstützung bekommt.

Wie hat Dich das verändert oder beeinflusst?

Ich habe mich in der Schule immer mehr getraut, mich zu melden, bei Referaten wurde ich immer sicherer und am Ende habe ich sogar einen Schulwechsel auf die Gesamtschule geschafft. Das ging so weit, dass ich mich entschieden habe, das Fachabi zu machen. Und wenn ich das abgeschlossen habe, will ich studieren. FAIR.STÄRKEN hatte also einen enormen Einfluss auf meinen Lebenslauf.

Ihr hattet eigentlich nur wenige Stunden im Monat für die Gruppenarbeit. Und trotzdem hatte das so einen Einfluss?

Ja. Die Trainer wurden zu meinen Wegbegleitern. Jeder auf seine eigene Art humorvoll herzlich, und sie waren immer da, wenn man sie brauchte. Durch diese Zeit habe ich unglaublich viel über mich selbst gelernt. Ich habe Freunde gefunden, neue Dinge ausprobiert und bin Stück für Stück über mich hinausgewachsen

Gab es dabei noch besondere Momente, die Dir in Erinnerung geblieben sind?

Ein Moment, der mir besonders zeigt, wie stark ich geworden bin, war meine Abschlussfeier nach der 10. Klasse. Vor all den Eltern, Lehrern und Mitschülern stand ich gemeinsam mit einer Freundin auf der Bühne und hielt eine Rede. Früher hätte ich nie gedacht, dass ich so etwas einmal schaffen würde, und genau das verdanke ich auch der Zeit bei FAIR.STÄRKEN.

FAIR.STÄRKEN war für mich nie „nur eine Gruppenstunde in der Woche“. Es war ein Ort, an dem ich wachsen durfte, an dem ich mich nie allein gefühlt habe, an dem ich immer ernst genommen wurde und Neues lernen konnte, fürs Leben.

Was war denn der Grund dafür, dass Du Dich entschieden hast, selbst in die Soziale Arbeit einzusteigen?

Die Erfahrung insgesamt hat mich so geprägt, dass mir schnell klar war, Ich möchte Kindern und Jugendlichen genau das zurückgeben, was ich selbst erleben durfte. Deshalb bin ich heute als Praktikantin bei FAIR.STÄRKEN. Für mich ist es ein Herzenswunsch, andere auf ihrem Weg zu begleiten, ihnen Mut zu machen und ihnen das Gefühl zu geben: „Du bist nicht alleine, und du kannst mehr, als du dir selbst zutraust.“

Besonders dankbar bin ich dabei Mechthild und allen Trainer*innen von FAIR.STÄRKEN, die mich auf meinem Weg unterstützt, gestärkt und begleitet haben. Ohne sie wäre ich heute nicht die Person, die ich geworden bin.

 


Vielen Dank für das Gespräch und dass Du uns an Deiner Geschichte teilhaben lässt. Wir freuen uns, dass wir Dich schon jetzt auf deinem Lebensweg begleiten durften und sind sehr gespannt, was Du in dem kommenden Jahr alles erleben wirst und ob Du Dich am Ende wirklich dafür entscheidest, Sozialarbeiterin zu werden. Wir werden das Gespräch also fortsetzen.

Interview: Tatjana Mischke
Fotos: FAIR.STÄRKEN e.V.


Cat Ballou: "Seid lieb zueinander"

Cat Ballou bei FAIR.STÄRKEN | Aktion „Seid lieb zueinander“

Die Kölner Band Cat Ballou hat uns anlässlich der Spendenübergabe aus der Aktion „Seid lieb zueinander“ zusammen mit der KVB in unserem Büro besucht. Cat Ballou ist eine der bekanntesten Bands in der deutschen Musikszene. Sie wissen, wie wichtig es ist, dass Kinder eine Stimme bekommen und gehört werden. Gitarrist Kevin Wittwer sagt dazu:

 „Kinderrechte sind uns ein besonderes Anliegen, denn Kinder sind unsere Zukunft. Als Familienväter erleben wir täglich, wie wichtig es ist, die Kleinsten in unserer Gesellschaft zu stärken. Kinder, die mit schlechten Bedingungen ins Leben starten, brauchen Unterstützung, damit sie sich entfalten können. Deshalb sind wir davon überzeugt, dass das Geld aus der Aktion „Seid lieb zueinander“ bei FAIR.STÄRKEN  gut angelegt ist: Die Zukunft kann nur besser werden, wenn auch Kinder aus benachteiligten Familien mehr Chancen bekommen.“

 

 

Bericht: Tatjana Mischke
Fotos: FAIR.STÄRKEN e.V.


Soziales Lernen in der Schule

Starke Klasse. Starke Kinder – Sozialtraining in der Schule

Klassentrainings mit FAIR.STÄRKEN

Montag am Ende der großen Pause in Porz: Alle Kinder der 5a stehen vor der Aula und warten darauf, dass das wöchentliche Klassentraining startet. Schnell werden noch die letzten Anekdoten der Pause ausgetauscht, etwas getrunken oder mit vorbeikommenden Freundinnen und Freunden gesprochen. Gleichzeitig können die Trainer:innen von FAIR.STÄRKEN die Vorfreude auf das Training schon erspüren.

Stuhlkreis und Daumenzeichen

Gefuehle ordnenAngekommen in der Aula, muss erstmal ein Stuhlkreis aufgestellt werden. Nach vielen Wochen der Übung funktioniert dies mittlerweile zügig und alle finden einen Platz, der ihnen passt. Auch wenn der Kreis eher als Ei zu bezeichnen ist. Als nächstes können alle per Daumenzeichen zeigen, wie es ihnen geht und bei Interesse etwas dazu sagen. Meistens ist das Bild durchwachsen und geprägt von müden Kindern. Aber hin und wieder erzählen sie von ihren schönen Wochenenderlebnissen oder freudigen Erfahrungen in der Schule. Nur bei Ali* wissen wir, dass der Daumen aus Prinzip immer nach unten zeigt.
Als nächstes gilt es, die Kinder mental und körperlich zu aktivieren. Dazu gibt es eine Übung, die auf die Klasse und ein jeweiliges Thema abgestimmt ist. Wer schafft es als erstes die richtige Farbe zu berühren oder den freien Platz zu ergattern? Wer kann den Kopf schütteln beim „JA“ sagen oder im richtigen Moment klatschen?

„Fluss überqueren“ oder „Zombieball“

Danach startet ein Kooperationsspiel. Alle Kinder müssen zusammen den reißenden Fluss überqueren. Schaffen sie es durch ein gemeinsames Vorgehen und eine Taktik? Beim ersten Mal scheitern sie, da Lars* alle anderen im Stich lässt. Nach einer weiteren Beratungsrunde werden das Rätsel und die Aufgabe jedoch gelöst. Zwischendurch müssen die Fachkräfte ein paarmal für Ruhe sorgen, indem sie Laut „Kölle“ rufen und die Kinder mit „Alaaf“ antworten. Dann wissen alle, dass sie sich wieder auf die Sache konzentrieren müssen.
Welches Spiel wünschen sich die Schülerinnen und Schüler diesmal als Abschlussspiel? Die Wahl fällt, wie so oft, auf Zombieball. 20 schreiende Kinder und zwei hechelnde Fachkräfte werfen sich mit Bällen ab, warten geknickt auf der Bank und hoffen auf den nächsten Zombiegeburtstag.

Abschlussritual mit Handschlag

Spiel FlussueberquerungEine Abschlussrunde darf natürlich nicht fehlen. Alle haben wieder die Möglichkeit, ihre Gefühlslage zu zeigen und was dazu zu sagen. Diesmal ist sogar Alis Daumen nach oben gestreckt. Zum Schluss darf das Abschlussritual nicht fehlen. Die Kinder geben sich reihum die Hand und sagen laut „bis zum nächsten Mal“. Dann klingelt es auch schon und man verabschiedet sich in die kleine Pause.
So oder so ähnlich läuft es an vielen Schulen an allen Tagen der Woche im ganzen Großraum Köln. Für die Schülerinnen und Schüler ein Highlight der Schulwoche, da die Doppelstunde mit FAIR.STÄRKEN ganz anders abläuft als eine „normale“ Unterrichtsstunde. Bewegung, Gruppenarbeit und Spaß bilden die Grundlage des Trainings.

Soziales Lernen in der Schule

Der Bedarf nach Klassentrainings ist in Köln, aber auch in ganz NRW und Deutschland in den letzten Jahren rasant gestiegen. Schulen berichten von fehlender Sozialkompetenz, mangelhaften Kommunikationsfähigkeiten und nicht vorhandenen Konfliktlösungsstrategien bei ihren Schüler:innen. Das alles führt nicht nur zu einem Schulalltag mit vielen Störungen, sondern auch zu weiterführenden Problemen in der Biografie der Kinder und Jugendlichen. Fehlende Resilienz, Sozialkompetenz und eine nicht vorhandene Perspektive stehen Chancengleichheit auf gesellschaftliche Teilhabe und (demokratischer) Partizipation im Weg. An diesem Punkten setzt das Sozialtraining des Vereins FAIR.STÄRKEN an.

Sozialtraining von FAIR.STÄRKEN

  • Die Sozialtrainings in Schulklassen finden wöchentlich in einer Doppelstunde über mindestens ein Schulhalbjahr mit einer Klasse statt.
  • Anwesend sind die Mitglieder der Klasse, die Klassenleitung und mindestens eine Fachkraft von FAIR.STÄRKEN.
  • Angeboten werden die Trainings von der ersten bis zur neunten Klasse.
  • Je nach Altersstufe ändert sich das Anforderungsprofil an die Ausgestaltung der jeweiligen Stunde, während die thematischen Inhalte weitgehend gleichbleiben. Bei jüngeren Kindern stehen spielerische Elemente im Fokus. Jugendliche benötigen oft ernstere oder kompetitivere Angebote und sind fähig, komplexere Gruppenarbeiten durchzuführen.

Wirkung des Klassentrainings

Feedback KinderSchon nach wenigen Wochen stellen sich meist erste kleine Erfolgserlebnisse ein. Oft fängt es im ersten Stuhlkreis und im Abschlusskreis an, wenn es immer mehr Teilnehmende schaffen, offen über ihren Gemütszustand zu sprechen und die Stunde zu reflektieren. Auch die Offenheit für neue Spiele oder Methoden nimmt schnell zu, da die Erfahrung gemacht wird, dass die meisten neuen Sachen Spaß bringen. Zusätzlich kann häufig beobachtet werden, dass bearbeitete Themen von Jugendlichen reproduziert werden, die Klasse immer stärker zusammenwächst und die Trainer:innen zu Vertrauenspersonen werden.
Am Ende eines Trainings ist die Betroffenheit von Seiten der Schülerinnen und Schüler meistens sehr hoch, und wenn Teilnehmende und Trainer:innen sich auch Jahre später wiedersehen, wird mit Freude über die gemeinsame Zeit und das Gelernte gesprochen. Oft gibt es auch ein Dankeschön zu hören, da das Klassentraining für die Lebensbewältigung von großem Nutzen gewesen ist.

*Alle Namen geändert

Philipp Pretz SozialtrainerBericht: Philipp Pretz (Pädagogische Fachkraft, AAT®/CT®-Trainer bei FAIR.STÄRKEN e.V.)
Fotos: FAIR.STÄRKEN e.V.


Header Gefluechtete

Ausflug in die Selbständigkeit – Geflüchtete Mütter lernen Alltag

Ausflug in die Selbständigkeit – Geflüchtete Mütter lernen Alltag

Geflüchtete Frauen vor BankautomatWenn wir uns um geflüchtete Kinder und Jugendliche kümmern, heißt das natürlich auch, dass wir auch die Eltern unterstützen. Das Ankommen in Deutschland ist schon schwierig genug, die Erlebnisse müssen verarbeitet werden und dann die fremde Sprache. Hinzu kommen Alltäglichkeiten, die für uns völlig normal sind, aber für geflüchtete Menschen eine fast unüberwindbare Hürde darstellen können.
Unsere Mitarbeiterinnen sind in verschiedenen Geflüchtetenunterkünften in Köln unterwegs und empowern vor allem die Mütter zu mehr Selbständigkeit, geben Hilfestellungen und wertvolle Tipps. Für viele von ihnen ist der Umgang mit Geld, Bankgeschäften und allem, was damit zu tun hat, nicht selbstverständlich.

Ich gehe mal eben zur Bank …

Bankdisplay

Das sagt sich so leicht, wenn man hier aufgewachsen ist, und der Automat deine Sprache spricht. Dennoch sind Dinge, wie Geld abholen, Zinsen bei Überziehung des Kontos, Überweisungen, Umgang mit Geld etc. notweniges Alltagswissen.
Eine Frau in der Gruppe war sehr aufgeregt, als sie vor dem Geldautomaten steht: „Ich habe richtig Herzklopfen. Sowas habe ich noch nie gemacht.“ gibt sie zu. Einfühlsam erklären unsere Mitarbeiterinnen die fremde Technik und das Prozedere. Dabei werden die Tasten und Anzeigen übersetzt und die Bedeutungen erklärt. Natürlich wird auch fleißig geübt: Es werden Ein- und Auszahlungen getätigt und Kontoauszüge ausdruckt. Die Frauen sind sehr interessiert und stellen Fragen, schließlich geht es um ihr Leben und das ihrer Kinder. Mehr Unabhängigkeit, gerade in Finanzangelegenheiten, bedeutet mehr Sicherheit für die Familie.

In der Postfiliale oder am Automaten

Bedienung eines PostautomatenAmtsschreiben, Päckchen, Einschreiben oder sonstige Post will auch richtig frankiert auf den Weg gebracht werden. Gemeinsam werden die Briefmarkenautomaten erkundet und geübt, wie man die Adresse richtig auf den Umschlag platziert. Und natürlich werden gleichzeitig alle neu gelernten Vokabeln gepaukt.
Der Ausflug war für die Mütter sehr aufregend, sie haben viel Neues gelernt. Gemeinsam lassen sie bei einem Glas Tee den Tag Revue passieren und besprechen noch offene Fragen. Das nächste Mal haben sie bestimmt schon so viel mehr Selbstsicherheit, um die „kleinen Alltäglichkeiten“ selbstständig erledigen können.

Kinder- und Jugendarbeit – Arbeit mit der ganzen Familie

Teepause

FAIR.STÄRKEN arbeitet viel mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen, die oftmals Gewalterfahrungen, Flucht und Ausgrenzung in ihren jungen Jahren erleben mussten. In unseren Angeboten empowern wir vor allem die Mütter, geben ihnen Sicherheit und Perspektiven, versorgen sie mit notwendigem Wissen, um in ihrer neuen Heimat richtig anzukommen und sich auch Willkommen zu fühlen. Wir nehmen ihnen dadurch viel Stress, geben Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein. Das kommt dann der ganzen Familie zugute.

Bericht: Claudia Heinrich
Fotos: FAIR.STÄRKEN e.V.


Cederik als Praktikant bei Fairstärken

Vom Teilnehmer zum Trainer – Als Praktikant bei FAIR.STÄRKEN

Vom Teilnehmer zum Trainer – Als Praktikant bei FAIR.STÄRKEN

Wir stellen euch heute Cederik vor. Er war, seit er 11 Jahre alt ist, in einem unserer Gruppentrainings zum Sozialen Lernen. Eine Trainerin hatte ihn damals angesprochen, ob er nicht Lust hätte, bei unserem außerschulischen Angebot mitzumachen. Heute ist er 16 Jahre alt und macht bei FAIR.STÄRKEN ein Praktikum. Wir freuen uns, dass er uns Rede und Antwort steht und etwas über sich, seine Motivation und seine Pläne für die Zukunft erzählt.

Wie hast du dich verändert, seit du bei dem Gruppentraining von FAIR.STÄRKEN mitmachst?

Cederik mit BogenFrüher habe ich mich öfter provozieren lassen und war leicht reizbar. Dann hat sich bei mir sowas wie ein Schutzmechanismus ausgelöst, und ich musste mich in meinen Augen dagegen „wehren“. Im Training habe ich viel gelernt. Heute reagiere ich entspannter. Ich kann die Situationen besser einschätzen, ob es bedrohlich ist oder nicht. Ich habe gelernt, dass Gewalt keine Lösung ist und wie man anders reagieren kann.

Du warst vier Jahre bei den Gruppentrainings von FAIR.STÄRKEN dabei, was hat dir besonders gut gefallen?

Cederik im TipilagerIch fand es schön, mit anderen Kindern und Jugendlichen etwas zu unternehmen. Man hatte auch immer jemanden, dem man vertrauen konnte. Ich bin super mit den Trainern und Trainerinnen zurechtgekommen. Wir haben viel zusammen gemacht. Zum Beispiel sind wir Schlittschuh gelaufen oder in den Kletterpark gegangen.
Besonders haben mir die Fahrten in das Tipi-Dorf in der Eifel gefallen. Wir hatten unheimlich viel Spaß miteinander und haben viel erlebt. Hier habe ich auch richtig Bogenschießen gelernt. Anfangs habe ich kaum getroffen, und jetzt treffe ich fast immer in die Mitte. 😉
Bei der Ferienfahrt haben wir auch gelernt, viel selbständiger zu sein. Auch konnte man da in der Natur super abschalten und den Alltag vergessen. Da gibt es keinen Stress, und man kommt gut runter. Auch das Handy-Verbot zu bestimmten Tageszeiten hat mir gefallen. Irgendwann hat man nicht mehr dran gedacht. Es gab einfach viel anderes zu tun …

Warum machst du das Praktikum bei uns?

Cederik als SozialtrainerDa ich schon mehrere Jahre bei FAIR.STÄRKEN bin, wollte ich das auch mal aus der Sicht eines Betreuers sehen und erleben. Im Büro habe ich dann mitgeholfen, z.B. Spielsachen für die Kinder sortiert und hier den Tagesablauf kennengelernt. Ich bin bei Ausflügen mit Menschen aus einer Geflüchtetenunterkunft dabei gewesen. Beim Gruppentraining der „Coolen Pänz“ habe ich dann im „Luftschwerter-Kampf“ selbst mit den Kindern die Stopp-Regeln geübt. Es war manchmal komisch, aber auch interessant, so ein Training mal aus anderer Sicht zu erleben.

Wäre eine Arbeit mit Kindern auch etwas für dich? Wie stellst du dir deine berufliche Zukunft vor?

Teamseite mit CederikIch werde erst mal meine Schule abschließen, und dann könnte ich mir vorstellen, bei der Feuerwehr zu arbeiten. Mir gefällt es, wenn ich anderen Menschen helfen kann. Zum Beispiel habe ich vor einiger Zeit einem umgekippten Rollstuhlfahrer mit anderen zusammen wieder aufgeholfen und habe gefragt, ob alles gut ist. Es gefällt mir heute deutlich besser, hilfsbereit und freundlich zu den Menschen zu sein, als mein Verhalten noch vor ein paar Jahren.

 


Vielen Dank Cederik für deine offenen Worte. Wir freuen uns, dass wir dich auf deinem Lebensweg ein Stückchen begleiten konnten und wünschen dir alles Gute für die Zukunft.

Interview: Claudia Heinrich
Fotos: FAIR.STÄRKEN e.V.


Geschlechtsspezifisches Sozialtraining

Keep Cool – Jungs fair.stärken – Geschlechtsspezifisches Sozialtraining

Soziales Lernen und Gewaltprävention mit Jungen

Junge Kletterwand„Bin ich schwach, wenn ich Gefühle zeige?“, „Dürfen Jungen auch weinen?“ oder „Richtige Männer kochen nicht!“

Fragen, die sich aus geschlechtsbezogenen Vorurteilen, festgebackenen Rollenbildern und konservativ-traditionellen Männlichkeitsanforderungen ergeben.
Jungen stehen immer unter Druck, die (vermuteten) Rollenerwartungen des sozialen Umfeldes und der Medien erfüllen zu können, befinden sich im ständigen Wettbewerb untereinander und sind einem starken Gruppenzwang ausgesetzt. Besonders Jungen, die in sozial benachteiligten Lebenssituationen, bildungsfernen und traditionellen Elternhäusern nach konservativen Maßstäben aufwachsen, erleben in ihrem Umfeld diese Rollenbilder verstärkt. Hinzu kommt, dass viele kaum Kontakt mit alternativen Lebensentwürfen haben und in den Sozialräumen häufig isoliert sind. Der dadurch ausgelöste Stress in Verbindung mit geringem Selbstvertrauen kann zu Unsicherheit und erhöhter Gewaltbereitschaft führen. Ein gesundes Selbstwertgefühl, den Sinn von Regeln erkennen und positive Gruppenerfahrungen stärken die Jungen.

„Das ist doch klar, dass man keine Messer mit in die Schule bringt. Das macht man nicht!“ P. 15 Jahre

Gewaltfreie Handlungsalternativen

Jungs Kooperation und TeamgeistEine Trainerin berichtet: „Die Jungen kommen mit großer Unsicherheit, was ihre Jungenrolle angeht. ‚Bin ich schwach oder feige, wenn ich vor Provokation weglaufe?‘, ‚Wie komme ich aus einem Streit raus, ohne der Looser zu sein?‘ sind Fragen, die sie beschäftigen.“

„Ich bin seit 4 Jahren hier beim Training, weil es mir hilft, mit Konflikten umzugehen.“ P. 15 Jahre

In den Sozialtrainings lernen die Jugendlichen, die Notwenigkeit demokratischer Regeln und gewaltfreie Handlungsalternativen kennen. Dafür werden auch individuelle Erfahrungsberichte aus dem Alltag besprochen und mögliche Vorgehensweisen gemeinsam erarbeitet. Wichtig ist, dass die Jungen die Situation erkennen und ihre eigenen Gefühle rechtzeitig bewerten können. Ein Junge hat gelernt, dass es für ihn besser ist, wenn er sich in Konfliktsituationen präventiv aus dem Geschehen herauszieht und an einen Ort geht, wo er sich „herunterbringen“ kann.

Gemeinschaftsgefühl und Vertrauen

Gemeinschaftsgefühl im TrainingPositive Erlebnisse und Erfolge in der Gruppe steigern das Selbstwertgefühl der Teilnehmer, gleichzeitig verbessern sie in der Interaktion mit den anderen Jungen die Kommunikations- und Teamfähigkeit. Besonders sportbasierte Aktivitäten und Ausflüge bieten jede Menge Möglichkeiten, die eigenen Fähigkeiten zu erproben und zu entdecken. Die regelmäßigen Treffen fördern das Vertrauen in die Trainer:innen und die anderen Jungen. Ein Wir-Gefühl kommt auf, Freundschaften entstehen.

Ausflüge ins Tipi-Dorf

Junge am TischWährend der Trainings fanden auch mehrtägige Fahrten in unser Tipi-Dorf in der Eifel statt. In dieser naturnahen Umgebung, weitab vom Alltag der Jungen, kann das Erlernte gleich angewendet werden: Regeln einhalten, gemeinsam Entscheidungen treffen, gewaltfreie Kommunikation und Teamarbeit. In diesem geschützten Setting, z.B. abends zusammen beim Lagerfeuer, fällt es den Jugendlichen auch leichter, über Dinge zu sprechen, über die sie sich vielleicht sonst nicht zu reden trauen.

„Ich hab am Anfang Probleme gehabt, dann haben wir uns vertragen. Als wir die Brücke aufgeräumt haben, haben wir alle zusammengehalten. Ich helfe jetzt auch meiner Mutter: z.B. Spülmaschine. Ich habe in dieser Tipi-Freizeit so viel gelernt, wie noch nie. Z.B. habe ich gelernt, wie man den Herd bedient.“

Nach dem Tipi-Lager meldete sich seine Mutter bei uns und erzählte freudig überrascht, ihren Jungen jetzt öfter in der Küche anzutreffen …

Geschlechtsspezifische Gruppentrainings

Junge gluecklich beim SozialtrainingJungen und Mädchen haben mit zunehmendem Alter unterschiedliche Bedürfnisse, auf die bei den FAIR.STÄRKEN Sozialtrainings gezielt eingegangen wird, um die Ziele, Stärkung des Selbstwertgefühls, demokratisches Regelverständnis und Entwickeln gewaltfreier Handlungsstrategien zu erreichen. Darüber hinaus fällt es den Teilnehmenden im Kreise ihrer Geschlechtsgenoss:innen leichter, über ihre Bedürfnisse und Probleme zu sprechen. Sie können sich in einem sicheren Raum öffnen, erlangen schneller Vertrauen und sind mutiger, eigene Talente und Ressourcen zu entdecken und auszuleben.

Postcode_LogoWir danken der Postcode Lotterie für die Unterstützung bei diesem Projekt. Durch die Finanzierung konnten wir vielen Jugendlichen wichtige Hilfestellungen für ein chancengerechtes, respektvolles und glückliches Leben geben.

 

Bericht: Claudia Heinrich
Fotos: FAIR.STÄRKEN e.V.


Header Antirassismus Workshop

Antirassismus-Workshop für die FAIR.STÄRKEN-Sozialtrainings

Antirassismus-Workshop für die FAIR.STÄRKEN-Sozialtrainings

Begriffe weißsein

FAIR.STÄRKEN nimmt den Namen ernst und erarbeitet mit Kindern und Jugendlichen Antidiskriminierungsstrategien. Es ist von großer Bedeutung, dass sich alle Mitarbeiter:innen ihrer Haltungen bewusst sind und diese immer wieder weiterentwickeln. In vielen Schulen und auf der Straße gehören Äußerungen oder Ausgrenzungen aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes von Kindern und Jugendlichen zum Alltag. Für viele Pädagog:innen kann es oft herausfordernd sein, angemessen zu reagieren und die Kinder und Jugendlichen in Akzeptanz und wertschätzendem Umgang miteinander zu stärken.

Paedagoginnen im Workshop

Unsere pädagogischen Fachkräfte und Sozialtrainer:innen werden in regelmäßigen Schulungen und Workshops für das Thema sensibilisiert und in Methodik geschult. Vorurteile wie „Alle Schwarze haben Rhythmus im Blut.“ können mit Spielen, wie „Weiße können nicht rappen“ von Gesicht Zeigen! | Für ein weltoffenes Deutschland nicht nur Kinder und Jugendliche zum Nachdenken bringen.

Rassismus kann vielfältig in Erscheinung treten

Dennis Antirassismus Trainer

Im Workshop, der von unseren beiden Sozialtrainern Dennis und Noël geleitet wurde, werden verschiedene Formen von Rassismus thematisiert – wie zum Beispiel struktureller Rassismus, Rassismus in den Medien und Alltagsrassismus voneinander unterschieden. Letzteres wird oftmals leichtfertig angewandt, kann aber für die Betroffenen beleidigend sein, da tiefverwurzelte Vorurteile zum Ausdruck kommen. „Wo kommst du her, du hast so eine schöne dunkle Hautfarbe.“ Oder auch das übergriffige Anfassen von krausem Haar zeugt von Respektlosigkeit.

„schwarz“ oder „Schwarz“

Noel Sozialtrainer

Wir haben Begrifflichkeiten erklärt und besprochen: Intersektionalität, Migrationshintergrund, BIPoC, Gadjé-Rassismus … Dem FAIR.STÄRKEN-Team wurden Spiele und Medieninformationen an die Hand gegeben, um dieses wichtige Thema mit den Kindern und Jugendlichen in den Gruppen zu bearbeiten. Dabei kamen auch Videos zum Einsatz, die zum Nachdenken anregen: z.B. von dem Projekt „Mensch Deutschland“ vom Verein Lichterkette e.V. https://lichterkette.de/menschdeutschland/

Wir danken Noël und Dennis für die sehr informativen Beiträge, die vielen Anregungen und die nachdenklich machenden Einblicke in das Thema Rassismus.

Antirassismus-Training als Teil des Sozialtrainings bei FAIR.STÄRKEN

Die Kinder und Jugendlichen in unseren Gruppentrainings kommen aus unterschiedlichen Herkunftsländern, haben verschiedene Religionen, haben oftmals Fluchterfahrungen und wurden mit Ausgrenzung und Vorurteilen konfrontiert bzw. haben selbst andere diskriminiert. In unseren Gruppentrainings lernen die Kinder und Jugendlichen ein positives Selbstbild aufzubauen, Empathie und Akzeptanz gegenüber anderen Menschen und Religionen zu empfinden, demokratische Haltungen und Werte herauszubilden und diese auch zu leben – für eine tolerante, diverse und soziale Gesellschaft.

Bericht: Claudia Heinrich
Fotos: FAIR.STÄRKEN e.V.