URSULAS REISE IN IHRE HEIMAT

 

Für diejenigen, die ihre Heimat verlassen haben und sich in einer anderen Kultur ihr Zuhause aufgebaut haben, wird früher oder später dieses Thema auftauchen, wie und wo bin ich zugehörig? Wo ist mein Zuhause? Ich lebe seit 30 Jahren in Deutschland und fühle mich hier beheimatet.

In den letzten Jahren sind diese Fragen mehr in Vordergrund gerückt, der Grund dafür liegt auch in meiner Arbeit bei FAIR.STÄRKEN. Ich arbeite mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und Ländern und ein Teil meines Jobs ist es, sie zu begleiten bei der Integration hier in Deutschland, der neuen Heimat. Bei vielen Gesprächen kam immer wieder die Auseinandersetzung über Werte, Glaube, Leistung, soziale Bindung, also Identität und Zugehörigkeit im Rahmen der kulturellen Diversität, in der wir uns befinden, auf.

Also ich spürte häufig den Drang diesen Fragen persönlich nachzugehen und entschloss mich in meine Heimat, Brasilien, ein Traumland, beliebtes Urlaubsziel, Samba & Karneval, Strand & Copacabana, auch viel Armut und Reichtum an Natur und Kulturen, zu reisen. Zum erstmal war ich für längere Zeit als ein paar Wochen in den Ferien. Dieses Mal wollte ich keinen Urlaub, sondern einem Gefühl der Zugehörigkeit nachgehen.

 

WO SIND MEINE WURZELN?

Es waren 270 Tage voller Freude! Ich bin viel bei meiner Familie geblieben, habe viel Zeit mit meiner Mutter verbracht, alte Familiengeschichten gehört und neue kennengelernt. Ich war auf der Spur der Vergangenheit und habe meine Ahnenerbe nachgefolgt. Meine Familienabstammung kommt aus Portugal, Irland und aus Afrika. Zu meiner Enttäuschung konnte ich nicht feststellen, ob meine Oma von väterlicher Seite doch indigene Abstammung hat. Sie könnte vom Volk der Puris stammen, allerdings ist zurzeit eine Forschung sehr schwierig da das Volk seit den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum Teil ausgestorben und oder zu weißen katholischen portugiesischen Menschen erklärt worden sind und ich mehr Zeit für Forschungen bräuchte.

Leider werde ich eventuell nicht erfahren, ob ich indigene Abstammung habe, was mich dazu geleitet hat mehr über die indigene Kultur in Brasilien zu wissen. So habe ich ein spirituelles Oberhaupt des Volkes Yawanawá kennengelernt und bin nach Acre, im Norden von Brasilien, geflogen zu seinem Dorf am Rand des Flusses Gregório. Es waren 4,5 Std Flug, 8 Stunden Autofahrt bis zum Fluss, dann noch 5 Stunden Motorboot, bis ich in dem Dorf Mushuinú eintraf.

 

WAS ICH AUF MEINER REISE ALLES ERLEBT HABE

Es waren 7 Wochen mitten im Urwald, die Menschen waren sehr offen zu mir und ich konnte einen Einblick in deren Alltag bekommen.

Ich habe viel miterlebt von deren Bräuche, viel gehört über ihre Geschichte und Legende, habe über deren Sicht von der Welt erlernt und was der Urwald für sie sei. Sie leben im direkten Kontakt mit der rauen Natur und deren Existenz hängt unmittelbar zusammen.

Ich war sehr beeindruckt von dieser Erfahrung und alles was ich dort erlebt und erlernt habe wird für den Rest meines Lebens erhalten bleiben. Dort habe ich das Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit erfahren, denn die Natur ist unser Zuhause und sie umgibt uns, wir sind ein Teil der Natur. Wir werden auf die Erde geboren und kommen von hierher, ohne die Natur gäbe es nichts, auch das was die Menschheit hervorgebracht hat. Wenn wir nicht in Einklang mit der Mutter Erde leben, sind wir nirgendwo beheimatet.

Also für mich ist geklärt, meine Heimat ist da, wo ich mich befinde, und die Erde ist mein Zuhause und die Natur ist meine Identität geworden, da ich ein Teil von IHR bin.

 


Nach dem Urwald bin ich in die Berge gefahren, um von dort oben einen weiteren Blick zu haben!


 

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